Vor 20 Jahren hat Mazda das Konzept des preiswerten offenen Sportwagens mit Frontmotor und Heckantrieb wieder aufleben lassen. Schnell avancierte der Mazda MX-5 zum meistverkauften Roadster der Automobilgeschichte. In Frankfurt präsentiert Mazda nun mit der MX-5 Superlight Version ein Fahrzeug, welches das Konzept eines erschwinglichen, kompromisslosen offenen Zweisitzers neu interpretiert.

Inspiration
Die Welt des Automobils und die individuelle Mobilität sind im Wandel. Die Leitlinien der Energieeffizienz, Umweltverträglichkeit und kompromisslosen Sicherheit geben heute die Richtung der Automobilentwicklung vor, in der aber auch Dynamik und Fahrspaß weiterhin einen festen Platz behaupten.
Vor 20 Jahren legte Mazda mit dem Roadster MX-5 den Grundstein zur Zoom-Zoom Fahrspaß-Philosophie. Deshalb ist es naheliegend, diesen Geburtstag mit einem Blick in die Zukunft zu begehen, der über das Erfolgsmodell hinaus weist. Die uneingeschränkt fahrbereite Studie MX-5 Superlight Version demonstriert, wie die Freude an der individuellen Mobilität auf ressourcenschonende Weise gepflegt werden kann.
Mit der MX-5 Superlight Version hat das europäische Design- und Entwicklungscenter von Mazda in Oberursel ein Auto fürs große Fahrvergnügen entwickelt. Auf Basis der Markenikone Mazda MX-5 entstand ein für breite Kundenkreise erschwinglicher, puristischer Zweisitzer. Die besondere Herausforderung für alle Beteiligten bestand darin, „den in 20 Jahren zur Perfektion gereiften MX-5 auf eine nochmals höhere Evolutionsstufe zu heben", erklärt der projektverantwortliche Designer Hasip Girgin. Entstanden ist ein aufregend gestalteter, besonders leichtgewichtiger Roadster, der auf Grundwerte des sportlichen Fahrens reduziert wurde, dabei aber nicht auf zeitgemäße Sicherheitstechnik verzichtet. In einer zunehmend digitalen Welt stellt er eine analoge, direkte und unverfälschte Verbindung zwischen Mensch und Maschine her. Die Reinheit dieses Konzepts führt zu nochmals höherer Fahrdynamik und zugleich zu einem sparsameren Umgang mit Treibstoff. Denn das Gewicht liegt unter der magischen Grenze von 1.000 Kilogramm. Ein Wert, der für moderne Sportwagen bisher als kaum erreichbar galt. Als Konzeptstudie zum Thema Leichtbau und Fahrspaß ist die MX-5 Superlight Version der ideale Botschafter der Mazda Markenwerte.
Außendesign
„Einen Mazda MX-5 mit derart radikalen Ausprägungen zu bauen, habe ich mir schon lange erträumt. Nun, da Gewichtsreduzierung im Automobilbau ein beherrschendes Entwicklungsziel darstellt, ist die Zeit reif dafür. Wir zeigen, wie leicht ein Auto heute sein kann", beschreibt der Mazda Chefdesigner in Europa, Peter Birtwhistle, das Projekt.

Sein Designteam hat das Wesen des Mazda MX-5 auf seine Kernwerte reduziert und einen Roadster reinsten Wassers realisiert. Stand die Nähe von Fahrer und Copilot zu seinem Fahrzeug, der Fahrphysik und den Elementen der Natur bereits bei der Entwicklung des Serienmodells im Mittelpunkt, so galt es, diese Verbindung nochmals enger zu schnüren. Durch den konsequenten Verzicht auf die Windschutzscheibe, den Rahmen und das Faltdach ist der entscheidende Schritt gelungen. Der Allwetter-Roadster ist in Gestalt der MX-5 Superlight Version zu einer Fahrmaschine mutiert, die Enthusiasten nahezu ungeschützt den Launen der Natur aussetzt. Dabei ist es nicht nur der Fahrtwind, der einem ins Gesicht bläst. Man wird auch unmittelbar den Düften und Temperaturschwankungen der Umgebung ausgesetzt und mit wechselnden Klangbildern konfrontiert. Letztlich erzeugt die größere Verbundenheit des Menschen mit der Technik des Fahrzeugs eine einzigartige Nähe, die in nochmals stärkerer Form nur Rennfahrer in ihren Boliden erleben.

Nicht nur um die sportliche Ausdruckskraft zu stärken, haben Mazda Designer zwei aerodynamisch wirksame Verkleidungen der Überrollbügel gestaltet. Sie verdeutlichen auch die für das Konzeptfahrzeug besonders hohen Anforderungen an den Überrollschutz. Darüber hinaus verhindern sie lästige Luftverwirbelungen im Kopfbereich der Insassen.
Durch ersatzloses Entfernen von Ausstattungsmerkmalen, die nicht unmittelbar dem Fahren dienen, sowie den Austausch unverzichtbarer Dinge gegen solche, die den speziellen Charakter stützen, wird der Charakter der MX-5 Superlight Version geschärft.
Dank des Verzichts auf die Windschutzscheibe werden auch keine Scheibenwischer benötigt. Die konsequente Offenheit des Roadsters macht Türgriffe außen überflüssig. Auch auf Seitenscheiben einschließlich ihrer Fensterheber wird verzichtet. Für den Blick nach hinten reicht ein zentraler Spiegel mit erweitertem Sichtfeld. Er befindet sich auf der Verlängerung der Fronthaube und wird beim Abstellen des Fahrzeugs versenkt. Die in der Form unveränderte Front- und Heckbeleuchtung schärft mit zusätzlichen LED-Leuchten das sportliche Profil.
Der Verzicht auf die Windschutzscheibe erforderte eine Verlängerung der Motorhaube zum Fahrgastraum. Das angefügte Karosserieblech besteht aus leichtem Aluminium und überdacht den Armaturenträger. Gleichzeitig verändert es die Proportionen des Karosseriedesigns. Der Vorderwagen gewinnt an Länge, und die Position der Passagiere rückt optisch noch weiter Richtung der angetriebenen Hinterachse. Verstärkt wird dieser Eindruck durch die massiven Überrollbügel einschließlich ihrer aerodynamischen Verkleidungen. Die Mazda MX-5 Superlight Version überträgt somit die dramatischen Proportionen historischer Rennsportwagen in die Moderne.
Innendesign
Der Purismus des Exterieurs kennzeichnet auch die Gestaltung des Interieurs. Er folgt nicht ästhetischem Selbstzweck, sondern trägt maßgeblich zur Reduzierung des Fahrzeuggewichts bei. Die Insassen der MX-5 Superlight Version werden von eng geschnittenen Sportschalensitzen aus ultraleichter Kohlefaser empfangen. Die Sitze sind längs einstellbar und mit dem gleichen Sattelleder bezogen wie die Armauflagen und die aus leichtem Aluminium gefertigten Schalt- und Handbremshebel. Farblich darauf abgestimmte Vierpunkt-Sicherheitsgurte halten die Passagiere fest im Griff.

Die Motorhaubenverlängerung zum Fahrgastraum überdacht die Armaturentafel, die deshalb schmaler ausfällt als im Serienfahrzeug. Als Werkstoff kommt hier leichter glasfaser-verstärkter Kunststoff zum Einsatz, in den die aus dem Serien-MX-5 bekannte Instrumentierung eingelassen ist. In Position gehalten wird der Armaturenträger von einem ebenso leichten Kohlefaserrahmen. Zentral, damit für Fahrer und Beifahrer gleichermaßen erreichbar, liegen wie in einem rassigen Rennsportwagen ein Starterknopf zum Anlassen des Motors und zwei sogenannte „Kill-switches", jeweils ein Notschalter zur Unterbrechung der Treibstoffzufuhr sowie der elektrischen Stromversorgung.
Weil die Belüftung und Klimatisierung des offenen Fahrgastraums nur in eingeschränktem Umfang möglich ist, kann auf Klimaanlage und Gebläse verzichtet werden. Die Luftströmung wird ausschließlich vom Fahrtwind beschleunigt. Folglich werden kleinere Luftdüsen eingesetzt. Der Innenraum kommt zudem ohne jegliche Verkleidung aus. Matten zur Geräuschisolation und Teppiche passen nicht zum puristischen Konzept. Auf sie wird gänzlich verzichtet.
Ebenfalls aus ultra-leichter Kohlefaser bestehen die schwebend gestaltete Mittelkonsole mit iPod-Aufnahme sowie die Dreiecksversteifungen in den unverkleideten Seitentüren. Letztere übernehmen bei einem Crash mit Seitenaufprall eine Rückhaltefunktion. Im Fahrbetrieb können hier die Arme aufgelegt werden.
Antriebstechnik
Angetrieben wird die uneingeschränkt fahrbare Mazda MX-5 Superlight Version vom bewährten 1,8-Liter-Vierzylindermotor. Das schwingungsarme und sparsame Aggregat entwickelt 93 kW/126 PS bei 6.500/min und ist mit dem ebenfalls aus dem Serienmodell bekannten Fünfganggetriebe gekoppelt. Seine höheren Fahrleistungen verdankt das Konzeptfahrzeug der in Summe rund 100 Kilogramm leichteren Gesamtkonstruktion und dem geringeren Luftwiderstand der Karosserie. Für den betörenden Klang der Antriebseinheit sorgen eine neue Luftansauganlage aus Edelstahl sowie die vom Mazda3 MPS übernommene Abgasanlage. Sie gewährleisten einerseits einen höheren Luftmassendurchsatz und andererseits einen geringeren Abgasgegendruck. Der satte Sound unter Last suggeriert, von einem Motor mit wesentlich größerem Hubraum beschleunigt zu werden. Und bei Gaswechsel sorgt ein resonanzstarkes Blubbern im Schalldämpfer für anregende Momente, die sonst nur sehr kraftvolle Triebwerke generieren.
Der höheren Fahrdynamik verpflichtet, kommt eine Vier-Kolben-Festsattel Bremsanlage mit gelochten Bremsscheiben zum Einsatz. Sie stammt von Brembo ® und erfordert wegen ihrer Einbaugröße eine Spurverbreiterung um 20 Millimeter. Mit Hilfe eines speziell abgestimmten Fahrwerks mit Stoßdämpfern von Bilstein ® und Federn vom Spezialisten Eibach ® kauert die Karosserie um sechs Millimeter tiefer über dem Asphalt als der serienmäßige MX-5. Die sportlich spitz ausgelegte, servounterstützte Zahnstangenlenkung bleibt unverändert. Ihre hohe Lenkpräzision sowie die knackige Schaltung des manuellen Getriebes mit ihren kurzen Wegen prägen den Charakter des erfolgreichsten Roadsters weltweit. Auch die 205/45 R17 Reifen auf Aluminium-Rädern entsprechen dem Serienstand. Mit unter acht Kilogramm sind derzeit am Markt keine leichteren Räder als diese zu haben.
Die Konstruktionsschritte
Die Aufgabe klingt anspruchsvoll, und die Zeit ist knapp: Nachdem die Entscheidung fällt, den radikalen Roadster Mazda MX-5 Superlight Version als Konzeptfahrzeug auf der IAA 2009 in Frankfurt zu zeigen, bleiben Peter Birtwhistle nur drei Monate. Der Chefdesigner im europäischen Mazda Designcenter in Oberursel formiert ein fünfköpfiges Team. Hassip Girgin, Luca Zollino, Nigel Ratcliffe, Maria Greger und Luciana Silvares machen sich an die Arbeit.
Für maßstabsgerechte Kleinformen, sogenannte „Scale Models", bleibt keine Zeit. Die Designer bringen Ideen zu Papier, entscheiden und modellieren umgehend in Originalgröße aus modellierbarem Ton. Das Cockpit entsteht zusammen mit den Streben der Türinnenseiten. Alle Bauteile werden dann digitalisiert. Die Daten gehen an ein externes Studio für Prototypen-Bau, wo die Teile aus glasfaserverstärktem Kunststoff und Kohlefaser gebaut und später eingepasst werden. Auf diese Weise entstehen auch Mittelkonsole mit Gangschalt- und Handbremshebel.
Parallel dazu wird ein serienmäßiger Mazda MX-5 MZR 1.8 um jene Bauteile erleichtert, die später erneuert werden. Unter Federführung von Mazda Designern und Fahrwerksingenieuren entsteht ein fahrbereiter „Rohling" der MX-5 Superlight Version, der weit unter 1.000 Kilogramm wiegt. Testfahrer von Mazda fahren anschließend mit Experten von Bilstein ® und Eibach ® auf einem abgeschlossenen Kurs schnelle Runden. Es gilt, die Machbarkeit des Projekts zu evaluieren. Das Ergebnis erstaunt sogar erfahrene Entwicklungsingenieure: Ohne aufwendige Nacharbeiten bleibt der „erleichterte" MX-5 ein leicht beherrschbarer, fahrsicherer Roadster, der zugleich an Spontanität, Fahrdynamik und akustischer Präsenz zulegt.
Die Aufbauarbeit beginnt mit dem Lackieren der Karosserie in Weiß. Dann werden die Sportschalensitze sowie Lenkrad, Schalt- und Handbremshebel im Mazda Designstudio mit Leder bezogen und eingebaut. Es folgen alle extern vorgefertigten Kohlefaser-Bauteile. Zum Schluss legen Mazda Designer Hand an die Mittelkonsole, die Armauflagen, Sicherheitsgurte und Überrollbügel.
Die Gewichteinsparungen im Detail
Weniger ist mehr! Nach dieser Formel verfahren Mazda Designer im europäischen Entwicklungsstudio Oberursel beim Bau der MX-5 Superlight Version. Auf die Waage stellen sie alle Bauteile, die nicht unmittelbar dem Fahren dienen. Die Sicherheitselemente bleiben unangetastet. Im Einzelnen wird durch Weglassen und Substitution eingespart:
- Windschutzscheibe mit Rahmen und Scheibenwischer
- Faltdach mit Klappmechanismus
- Seitenscheiben inklusive Fensterheber
- Türgriffe und Rückspiegel außen
- Innenverkleidungen, Teppiche und Geräuschisolation
- serienmäßige Sitzanlage
- Klimaanlage, Wärmetauscher und Lüftungssystem
- Armaturenträger
- Mittelkonsole
- Schalthebel
- Handbremshebel
- Armauflage zwischen den Sitzen
Zwei wesentliche Erkenntnisse leiten Mazda Entwickler aus diesem Projekt ab: Erstens verdankt bereits das nur 1.075 Kilogramm schwere Serienfahrzeug Mazda MX-5 MZR 1.8 sein geringes Leergewicht einem hohen Anteil von Leichtbaukomponenten. Und zweitens ist der vergleichsweise geringe Aufwand, weitere Bauteile durch nochmals leichtere zu ersetzen, ein Plädoyer für verschärfte Anstrengungen bei der Auswahl der verwendeten Materialien. Ferner bleibt die Hoffnung, zumindest eine Kleinserie des rasiermesserscharfen Roadsters für Enthusiasten einmal in Mazda Verkaufsräumen zu sehen.
Die Geschichte der Mazda MX Konzeptfahrzeuge
Unter dem Kürzel MX entstehen bei Mazda zahlreiche Experimentalfahrzeuge, um Marktchancen für neue Produkte zu untersuchen. Mit dem Mazda MX-02 wird eine aerodynamisch optimierte Limousine vorgestellt, der Mazda MX-03 stellt im Jahre 1985 ein Sportcoupé dar, und mit dem MX-4 stellt das Unternehmen im Jahre 1987 erstmals einen kompakten Roadster mit drei Sitzplätzen in einer Reihe auf die Räder. Zwei Jahre später wird der Mazda MX-5 eingeführt.
Im Jahre 2001 heißt eine Minivan-Studie Mazda MX Sportstourer. Sie schlägt eine Brücke zwischen einem familientauglichen, funktionell sehr vielseitigen Fahrzeug und einem dynamischen Sportwagen. Hier fließen bereits Erfahrungen aus den überwältigenden Markterfolgen des MX-5 ein.
Im Jahre 2003 schließlich weist die Designstudie Mazda Ibuki auf die kommende dritte Generation des MX-5 hin, die 2005 an den Start geht. Sie ist mit ihren extrem knappen Überhängen nicht nur Botschafter einer strengeren Designsprache des späteren Serienmodells, sondern nimmt auch konzeptionelle Änderungen vorweg. Beispielsweise liegt die komplette Antriebseinheit tiefer und weiter Richtung Fahrzeugmitte, um den Schwerpunkt des Roadsters abzusenken und sein Gesamtgewicht gleichmäßig auf beide Achsen zu verteilen. Das Serienfahrzeug Mazda MX-5 überzeugt wenig später mit einer Achslastverteilung von 50:50 Prozent und exzellenten Handlingeigenschaften.